Heißer Tanz in den Mai


Gesamtsieger DM 125
Aigar Leok, Estland, KTM


Gesamtzweiter DM 125
Daniel Siegl, Cottbus, Yamaha


Gesamtdritter DM 125
Gareth Swanepoel, RSA, Yamaha


Gesamtvierter DM 125
Dennis Schröter, Crinitz, Yamaha

Beim 52. internationalen ADAC-Motocross am 1. Mai 2003 in Kamp-Lintfort gab es ein Jubiläum zu feiern: 50 Jahre Rennen auf der selben Rennstrecke am Eyller Berg, 1953 – 2003. Nach dieser langen Zeit sind selbst die ortsansässigen Umweltschützer davon überzeugt, dass eine Motocross-Strecke in einem Landschaftsschutzgebiet, in dem geschützte Tierarten leben, eine gute Sache ist und nicht durch einen asphaltierten Autobahnzubringer verdrängt werden darf.
Das Wetter passte dann aber gar nicht in das Konzept des Veranstalters. 30 Liter Regen pro Quadratmeter in den Tagen unmittelbar vor dem Rennen drohten die gesamte Veranstaltung zu kippen. Am Renntag blieb es aber weitgehend trocken und die Rennen liefen dann unter regulären Bedingungen vor knapp 4.500 begeisterten Zuschauern ab.
Der DMSB beschreitet doch noch neue Wege, so dass die Deutsche Meisterschaft in der 125-ccm-Klasse international offen durchgeführt werden kann. D. h., auch die ausländischen Grand-Prix-Fahrer aus allen Klassen sind 2003 startberechtigt. Erstmals steigt in Deutschland, wie in anderen Ländern bereits lange eingeführt, jetzt der Wettkampf der Systeme: 125-ccm-Zweitakter gegen 250-ccm-Viertakter.

Zweitakter gegen Viertakter 1:1
So meldeten sich 65 Fahrer für den DM-Auftakt am Tag der Arbeit im niederrheinischen Kamp-Lintfort.
Mit Daniel Siegl und Dennis Schröter setzten zwei Viertaktfahrer in den beiden Qualifikationsgruppen die Bestmarke. Somit war klar, dass es für den Titelverteidiger Aigar Leok, der auf der dritten Startposition stand, ein harter Arbeitstag würde. Patrick van den Berg trat erst gar nicht zur Qualifikation an. Der schnelle Holländer musste mit Verdacht auf Mittelhandbruch das nahe gelegene Krankenhaus aufsuchen.

Nick Tuin, ein weiterer junger Holländer auf einer Zweitakt-KTM hatte den besten Start, vor Siegl, Michi Staufer, Cyril Coulon und Schröter. Kölling-Yamaha-Pilot Siegl zauderte nicht lange, blies noch in der Startrunde zur Attacke, ging an Tuin vorbei und siegte unbehelligt von den Verfolgern. Diese hadern derweil mit dem Schicksal. . Der österreichische Staatsmeister Staufer wird an einem Vollgassprung von einem übereifrigen Konkurrenten aus dem Sattel katapultiert. Titelaspirant Schröter vom neu formierten Silent-Team verliert das Gummi vom Gasgriff und somit auch einige Plätze. Eine lockere Hinterradachse stoppt den Tatendrang von Rookie-Star Maximilian Nagl. Nick Tuin verliert in der Endphase seinen Podestplatz als er sich kurz zu Boden legt. Auch Mart de Jong, der Champ aus dem Amateurlager, hatte kein Glück. Er verabschiedet sich vorzeitig aus den Top ten als während eines Sprungs der Vergaser vom Ansaugstutzen fliegt und der kleine Viertakter abrupt zum Stillstaband kommt.
Der Titelverteidiger Aigar Leok und Gareth Swanepoel legten nach verpatztem Start fast unbemerkt eine tolle Aufholjagd hin.

Im zweiten Lauf raste Michi Staufer mit zugeschwollenem Auge als erster auf die Startkurve zu, im Schlepptau Tuin, Nagl, Siegl und Marcus Schiffer. Siegl machte wieder sofort Druck und ging Mitte des Rennens in Führung. Leok kam diesmal von Platz 7 und rückte meisterlich vor. Nach kurzem Schlagabtausch mit wechselnder Führung waren die Fronten geklärt.
Derweil rauften Swanepoel, Staufer, Schöter, de Jong, Nagl und Tuin um Platz 3, der am Ende an den Südafrikaner ging. De Jong ereilte wieder das Schicksal, so das der Neu-Yamaha-Pilot am Ende mit leeren Händen das Stand. Maximilian Nagl machte kurz mit dem Kiesboden am Eyller Berg Bekanntschaft, rappelte sich aber rasch wieder auf.
Trotz seines bis auf Wurzel freigeraspelten Daumens zeigte sich Dennis Schröter mit Platz 4 zufrieden. Ergebnis DM 125

Sidecar: Feiertagstour für Willemsen/Stupelis
Nur ein Dutzend Sidecars stellten sich Rennleiter Ralf Janßen zum Start. Das war natürlich nicht das Starterfeld, mit dem die Zuschauer in den vergangenen Jahren verwöhnt wurden. Einige Dreiradritter, wie Daniel Willemsen, hatten den Weg vom WM-Lauf in Südfrankreich an den Niederrhein auf sich genommen um den treuen Sidecar-Fans ein gutes Rennen zu zeigen und anschließend wieder zum nächsten WM-Termin ins nordfranzösische Plomion zu reisen. Erschwerend kam noch hinzu, dass gerade am 1. Mai der französische Club in Poulangy seinen 50. Geburtstag feierte und zu diesem Anlass ebenfalls ein internationales Sidecar-Cross auf dem Programm hatte.
Die Weinmann-Brüder hatten 2002 eigentlich ihre Karriere beendet. Mit einem Husqvarna-Viertakter wollten die beiden nur noch sporadisch an Rennen teilnehmen. Die viertbeste Trainingszeit zeigte dann auch das Potential des neuen Gefährts. Allerdings bremste ein Strohballen alle Zukunftspläne. Nach zwei Runden lenkte Klaus Weinmann mit gesprengtem Schultergelenk sein Gespann ins Fahrerlager. Auch der Kampf der "feindlichen" Willemsen-Brüder blieb aus. Marcel, der in früheren Jahren bei Daniel im Boot stand, versucht es jetzt seinem Bruder gleich zu tun. Mit einer halben Runde Rückstand hechelte er mit seinem Beifahrer René Boon dem Feld hinterher um am Ende doch noch auszufallen. Auch im zweiten Lauf reichte es nicht, im Familenwettstreit die Oberhand zu bekommen.
Eine saubere Leistung zeigte dagegen "Good old Josef" Brustmann mit seinem alten wieder ins Boot gestiegenen Co-Piltoten Stefan Urich. Das leichte, von Gespann-Guru Gerd Nabbe entwickelte Fahrwerk war mit einem KTM-Viertakter bestückt, der nicht nur einen echten Renn-Sound durch den Doppelauspuff verbreitete sondern auch für den nötigen Vortrieb sorgte. So sicherten sich die alten Haudegen aus Bayern zweimal den Ehrenplatz hinter den unangefochtenen Laufsiegern Willemsen/Stupelis, die zur Zeit die WM anführen. Ergebnis Sidecar

B/V-Lizenz: Jürgen Küppers eine Nummer zu groß
Das Rennen der offenen V-Lizenz-Klasse ist schon fast eine Kult-Veranstaltung am Eyller Berg. Hier stehen hauptsächlich junge Talente und auch alte Hasen aus der Region am Start um ihr Können einmal vor großer heimischer Zuschauerkulisse zu zeigen. Beide Laufsiege waren ein klare Angelegenheit von Ex-Interfahrer Jürgen Küppers. Der Mann vom Silent-Team ließ Carsten Brzoska und Ansgar Kranen keine Chance. Lokalmatador Thomas Denk versiebte alle Chancen beim zweiten Start als er sich an der Kollision in der ersten Kurve beteiligt. Obwohl der Kamp-Lintforter wie angestochen durch das Feld mäht, reicht es nicht mehr für einen Podestplatz. Ergebnis B/V-Lizenz